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Führhund Aktiv 2014 - Besuch Feuerwehr Bremen (12.06.2015)

Wie fühlt sich die Arbeit der Feuerwehr an? Das war genau die Frage, die sich die Besucher auf der Wache 1 der Bremer Berufsfeuerwehr stellten.

Eine Gruppe von Blinden- und Sehbehinderten hatte sich zusammen mit ihren Führhunden im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Führhund aktiv“ dort angekündigt. Für den Leiter der Wachabteilung der Bremer Feuerwehrwache 1, Brandoberinspektor Bela Reng, war dies kein Problem „Es werden auf beiden Seiten bestimmt wichtige und interessante Erfahrungen gesammelt werden können, denn Blinde mit ihren Führhunden haben wir auch nicht jeden Tag“ so Reng.

 

An drei Stationen wurden den Besuchern sehr eindrucksvoll und interessant Arbeit, Ausrüstung und Gerätschaften der Feuerwehr "zum Greifen" oder "zum Beschnüffeln" näher gebracht.

 

Gerda Mittag, Leiterin des Arbeitskreises "Führhundhalter" in Niedersachsen/ Bremen, freute sich über die Bereitschaft der Kollegen der Feuerwehrwache

1 in Bremen, blinden Menschen mit einer speziellen Führung ihre wichtige Arbeit näher zu bringen. „Besonders interessiert es mich, wie sich unsere Führhunde gegenüber den Feuerwehrmännern verhalten, wenn diese mit Atemschutzmaske und Schutzkleidung auf uns zukommen“, Sagte Gerda Mittag.

 

Zunächst begrüßte Bela Reng als Leiter der II. Wachabteilung die Besucher und gab ein paar Informationen über die Arbeit der Feuerwehr in Bremen. Hier erfuhren die Gäste, welche Fahrzeuge auf der Wache 1 stationiert sind, innerhalb welcher Zeiten die Feuerwehrmänner auf den Fahrzeugen sein müssen, um ausrücken zu können.

Auch erfolgte ein reger Austausch zum Thema Brandschutz in den Wohnungen.

Zudem wurde auch das richtige Verhalten bei einem Brand erläutert. Ein Brand in den eigenen vier Wänden lässt jeden Menschen zunächst erstarren oder auch in Panik geraten. Dabei können sehende Menschen die Flammen und das Ausmaß schnell erkennen. Ganz anders ist die Situation für Blinde und Sehbehinderte. Deshalb ist die vorbeugende Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnungsbrand aus Sicht der Feuerwehr besonders wichtig.

 

Um die Ausrüstung eines Feuerwehrkameraden im Einsatz ging es bei der ersten Station. Die Hände ersetzten dabei die Augen: vom Stiefel bis zum Helm durfte alles erfühlt und ertastet werden. Beeindruckt zeigten sich Gerda Mittag und ihre Gäste von dem Gewicht der Kleidung und den Ausrüstungsgegenständen, die jeder Feuerwehrkamerad im Ernstfall anzuziehen und mit sich zu führen hat. Spannend wurde es dann als der Feuerwehrmann den schweren Atemschutz anlegte und dann durch die Atemmaske weiter sprach. Hier spitzten die Hunde doch schon die Ohren, warum der Mann plötzlich so komisch spricht. Aber da sie vorher ebenfalls den Feuerwehrmann beschnüffelt hatten war ihnen ja bewusst das da jemand hinter der Maske steckte, den sie vorher gesehen hatten. Wie „angenehm“ so eine Atemschutzmaske ist konnten die Teilnehmer mittels einer „Fluchthaube“ selbst ausprobieren. "Hier hat man das Gefühl, eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt zu bekommen. Das Atmen durch den Luftfilter ist doch etwas schwerer und vor allem wird es sehr warm unter der Haube. Aber im Falle eines Feuers ist es immer noch besser, als ungeschützt durch verqualmte Räume und Treppenhäuser laufen zu müssen", meinte eine Teilnehmerin.

 

Nach dem gleichen Fühl- und Tastprinzip wurden die Gerätschaften und Materialien, die in einem Löschfahrzeug untergebracht sind, vorgestellt.

Rainer Barckmann aus Lohnde, selbst fördernes Mitglied der dortigen Feuerwehr zeigte sich besonders von den Spreizwerkzeugen zum öffnen von den Türen an Unfallautos beeindruckt.

 

"Konturen vom Löschfahrzeug und der Drehleiter ertasten und geringe Spuren Vom zurückgebliebenen Brandgeruch, den die Feuerwehrmänner dort hinterlassen haben, in der Nase wahrzunehmen, ist eine interessante Erfahrung für die Teilnehmer.

 

Wenig später konnten besonders mutige Teilnehmer im Korb der Drehleiter 30 Meter in die Höhe fahren. Ganz mutige Hunde fuhren auch mit nach oben und schauten aus dem Korb auf ihre vierbeinigen Kameraden herunter. Manfred Beckmann aus Hannover steuert sogar den Korb und die Leiter nach Anweisung selbst.

 

Neben der vielen wissenswerten Informationen kam auch der normale Erfahrungsaustausch nicht zu kurz. Die Mannschaft der Feuer- und Rettungswache berichtete aber auch über das Leben eines Feuerwehrmannes.

"Der Dienstablauf auf einer Feuerwache im 24-Stunden-Dienst ist nun mal kein 'normaler' Job von acht bis 16 Uhr", erwähnt ein Brandmeister. Als letztes gab es wichtige Tipps zum Verhalten im Brandfall, wenn das Feuer schon zu groß geworden ist und die Wohnung verlassen werden muss. So wurde auch die Flucht auf allen "Vieren" zur Wohnungstüre oder das Absetzen eines Notrufes über Handy und Telefon "Ein solches Szenario möchte niemand der Teilnehmer zu Hause in der Realität erleben, dennoch sind wir dankbar, dass wir uns heute mit dem Aktionstag damit beschäftigen durften", resümierte Gerda Mittag am Ende der Veranstaltung.

Die Teilnehmer spazierten bei dem spätsommerlichen Sonnenschein anschließend noch durch die Bremer Wallanlagen zum Mühlenkaffee, wo dann der Durst gelöscht wurde und wieder eine interessante Veranstaltung des Arbeitskreises "Führhundhalter" zu Ende ging.

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