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Geschichte

Jahr 100

Anhand von Abbildungen lässt sich der Hund als Begleiter des Blinden bis in die Antike zurückverfolgen. So findet man auf einem Wandgmälde aus Herculaneum, das auf das erste Jahrhundert nach Christus datiert wurde, die Darstellung eines Blinden in Begleitung eines Hundes. Da der abgebildete Mann nicht nach dem angebotenen Almosen greift, nimmt man an, dass er blind gewesen sei.

 

Es ist jedoch unwahrscheinlich, das diese Hunde als Führhund arbeiteten. Vielmehr lässt sich vermuten, dass der Hund lediglich als Gefährte des von der Gemeinschaft ausgestossenen Blinden zu verstehen ist und vielleicht auch eine Schutzfunktion übernommen hatte.

 

Jahr 1368 - 1644

Deutlichen Hinweis auf die Verwendung eines Hundes als Hilfsmittel für einen Blinden im Westeuropa des 13. Jahrhunderts n. Chr. sowie auf eine chinesische Seidenmalerei aus der Ming-Dynastie. Auf dem Seidenteppich aus dem 13. Jahrhundert ist ein Mann mit Stock und Hund abgebildet.

 

Jahr Mittelalter

Für das ausgehende Mittelalter ist ein Holzschnitt belegt, der einen von einem mittel-großen Hund an der Leine geführten Blinden und einen „Lahmen“ zeigen.

 

1780

Laut einem Bericht von A.F. Freville wurden Hunde erstmals um 1780 systematisch und in grösserer Zahl zu Führdiensten abgerichtet und zwar von den Insassen des Pariser Blindenhospitals "Les Quinze- Vingts". Als ersten wirklichen Pionier der systematischen und methodischen Abrichtung eines Hundes zum Führen eines Blinden darf man erst Josef Reisinger ansehen, der 1780 auf seiner Wanderschaft als Handwerksbursche mit 20 Jahren sein Augenlicht verlor und acht Jahre später einen kleinen Spitz so gut für seine Zwecke abrichtete, dass seine Blindheit oft angezweifelt wurde.

 

Quelle: Der Wiener Augenarzt Georg Joseph Beer (1813) in seinem Buch "Das Auge, oder Versuch das edelste Geschenk der Schöpfung vor dem höchst verderblichen Einflüssen unseres Zeitalters zu sichern",

 

1788

Pionier aus Wien

Der erste echte Pionier kam aus Wien: der blinde Siebmacher Josef Reisinger richtete 1788 einen Spitz so gut ab, dass seine Zeitgenossen seine Blindheit sehr oft bezweifelten.

Der Gründer des Wiener Blinden-Erziehungs-Institutes Johann Wilhelm Klein erwähnte 1819 in seinem "Lehrbuch zum Unterricht der Blinden" den Blindenführhund und gab auch einige wertvolle Hinweise zur Abrichtung. Es gibt aber keine Berichte darüber, ob Hunde in der Wiener Blindenanstalt tatsächlich abgerichtet wurden.

 

Nachfolgend das komplette zweite Kapitel des Buches "Das Auge" von Georg Joseph Beer. Dieser Text ist die erste schriftliche Dokumentation einer Ausbil-dung eines Hundes zu einem Führhund.

 

Das Buch ist extrem selten. Ich danke dem "Chiens Guides d'Aveugles au Lu-xembourg" (Blindenführhunde in Luxemburg) http://www.chienguide.org/

sowie der Bibliothèque Nationale de Luxembourg danken, die Chienguide eine Kopie dieses Buches zur Verfügung gestellt hat.

 

"Das Auge, oder Versuch das edelste Geschenk der Schöpfung vor dem höchst verderblichen Einflüssen unseres Zeitalters zu sichern."

 

Wien 1813

Georg Joseph Beer

23.12.1763 - 11.04.1821

 

Kapitel II

Leidensgeschichte des blinden Mannes, dem sein Hund als Führer dient. Es ist doch sonderbar, daß dieser Mann bis jetzt noch niemals jener psycholo-gischen Aufmerksamkeit gewürdigt worden ist, die er wirklich verdient; - im Gegentheil mußte ich ihn schon gegen sehr viele Menschen in Schutz nehmen, welche ohne alle Selbstuntersuchung, und folglich noch weniger mit irgend einer Art von Selbstüberzeugung geradehin behauten wollten, der Mann sehe noch etwas, er verstelle sich nur, und spiele die Komödie mit dem Hunde, um ein reichliches Almosen zu erhalten!!! Ich war einmal Zeuge davon, daß ein Fremder, der voll Bedauern und Verwunderung diesen armen Blinden eben eine Gabe reichen wollte, sie schnell wieder in die Tasche schob, und an den Unglücklichen mit Verachtung vorüber zu gehen drohte, weil ihn ein andere zurückhielt und versicherte, daß er seine Wohltat an einen Nichtswürdigen verschwende, der sich nur stockblind zu sein stellt.

 

Ich hielt es für meine Pflicht ins Mittel zu treten, und den unbesonnenen Verläumder sogleich zu beschämen; - und ich glaube der guten Sache, und der gebildeten Klasse meiner Landsleute einigen Dienst zu leisten, wenn ich die von mir mit der größten Sorgfalt aufge-nommenen Leidensgeschichte dieses in vieler Hinsicht merkwürdigen Mannes öffentlich mitteile, denn sie dürfte für den Arzt, für den Philosophen im strengen Sinne, und zunächst für den Anthropologen nicht nur an für sich schon sehr In-teresse haben, sondern noch um so interessanter werden, wenn man sie mit der Bildungsgeschichte des blinden Fräulein Paradies zusammenstellt, zu der sie das schönste und wichtigste Gegenstück giebt.*) Herr Doktor Wagner theilte uns diese Bildungsgeschichte in seinen Vorträgen zur philosophischen Anthropologie im Jahre 1796 mit.

 

Wie weit es der Blinde in Hinsicht der Ausbildung seiner übrigen Sinne, vorzüg-lich seines Gehörs und Gefühls, und selbst seiner Geistesfähigkeiten bringen kann, wie unaufhaltsam er in jedem Augenblick seines uns elend scheinenden Lebens strebt, sich der menschlichen Gesellschaft allenthalben anzuschliessen, von der ihm seine Blindheit bis zu dem glücklichen Augenblick der Errichtung eines Blinden-Erziehungsinstituts größtentheils ausschloß, beweisen zwar diese beiden Geschichten sehr auffallend, und doch haben sie sonst durchaus nichts miteinander gemein; den Fräulein Paradies erhielt eine Erziehung, welche nicht nur auf einen hohen Grad der Ausbildung ihrer künstlerischen Anlagen und Fähigkeiten, sondern auch auf Veredlung ihres subjektiven Gehaltes hinauslief.

 

Auf solche Art wurde es ihr leicht, das Mitleid, welches man allein schon dem Blinden zuwendet, bald in eine herzliche Theilnahme und thätige Freundschaft derjenigen, die sie kennen lernten, zu verwandeln. - Weit schwerer war der ungebahnte und sehr rauhe Weg dieses armen Mannes, den keine gebildete Menschen huldreich beistanden, den keine Meister mühsam und sorgfältig be-lehrten, der nur alles aus sich selbst hervorbringen, der sich seine äußerst beschränkte Existenz in der menschlichen Gesellschaft ganz allein schaffen muß-te. Freuen wir uns immerhin des schönen trefflichen Konzertes, das eine blinde Paradies mit aller Präcision spielt, sehen und hören wir ihr mit Bewunderung zu,wie fertig sie dem Umgang und die Form einer Stube, bloß ihrem Gemeingefühle und ihrem Gehör nach bestimmt, u.s.w.; so müssen wir aber dagegen über den Erfindungsgeist eines blinden Mannes erstaunen, der selbst ohne alle Erziehung schon dreimal ganz verschiedene Hunde zu seinen sorgsamen und sichern Führern in dem Volk- und wagenreichen Wien ausgebildet hat. Wer kann an diesem Manne, ohne in seinem Innersten ergriffen zu werden, vorübergehen? Wer wird ihn nicht im philosophischen und anthropologischen Sinne um mehrere Stuffen höher stellen, als das Fräulein Paradies?

 

Dieser Blinde, der unsere volle Aufmerksamkeit, unser volles Mitleid verdient, der nun acht und fünfzigjährige Joseph Reisinger, ist der Sohn eines Invaliden aus dem hiesigen Invalidenhause; - als er zum Knaben heranwuchs, kam er hier zu einem Siebmacher in die Lehre, von dem er im siebenzehnten Jahre seines Alters freigesprochen auf die Wanderung zog. Noch hatte er sein zwanzigstes Jahr nicht erreicht, als er unglücklicher Weise in Ungarn, in Fünfkirchen, von einer äußerst heftigen Entzündung an beiden Augen befallen wurde, die man durch mehrere Tage völlig sich selbst überlies, und welche schon dadurch um vieles sich verschlimmerte, weil man den armen Halbblinden dennoch strenge zur Arbeit anhielt.

 

Endlich wurde es doch seinem Meister selbst zu arg, und er suchte für seinen augenkranken Gesellen Hülfe, - nicht etwa bei einem verständigen Arzt, sondern bei einer nicht weit entfernten ungarischen Edelfrau, die ihm denn so lange Kanarienzucker (ein sehr bekanntes Hausmittel alter Weiber) in die Augen blies, bis beide durch die Eiterung beinahe zerstört waren, welches Meisterstück auch schon in vierzehn Tagen zu Stande kam, so zwar, daß das rechte Auge beinahe ausgeeitert, das linke aber durch ein kegel-förmiges vollkommen ausgebildetes Hornhautstaphilom häßlich entstellt ist, wie man in den beiden Bildern I. und II. sieht, die ich selbst getreu nach der Natur mahlte, um den Aerzten und Laien die Unmöglichkeit eines Restes von Seh-vermögen zu beweisen, und somit diesen ohnehin Unglücklichen von aller wei-tern muthwilligen Verläumdung und Beeinträchtigung seines Almosens zu si-chern.

 

Jetzt war der arme junge Mann von der Hoffnung sein Brod jemals selbst wieder verdienen zu können mit einemmale losgerissen, und dem höchsten Elend so-lange preis gegeben, bis sich wohlwollende Menschen seiner erbarmten, ihn nach Wien brachten, und voll des Vertrauens den Herrn Professor Barth um Hülfe für ihn ansprachen. Doch dieser mußte leider augenblicklich sein Todes-urteil im dem Worte unheilbar über ihn aussprechen, und die Verzweiflung würde den armen Verurtheilten ergriffen haben, wenn ihn nicht seine alte Lehrfrau so lange in ihrem Hause verpflegt hätte, bis sich für ihn durch ihre thätige Ver-wendung eine Armenpfründe im hiesigen Siechenhause, welches uns noch unter dem Namen Bäckenhäufel bekannt ist, fand. - Aber freilich fünf Kreuzer des Tags waren für einen Blinden eine viel zu spärliche Versorgung, welche dem elenden Leben dieses Unglücklichen bald das Ziel gesetzt haben würde, wenn ihm nicht die wohlthätige Lehrfrau und andere Menschenfreunde von Zeit zu Zeit durch milde Gaben unterstützt hätten.

 

Beinahe acht kummervolle Jahre waren auf solche Art schon verlaufen, in de-nen sich der bedauernswürdige junge Mann so ziemlich an sein schreckliches Loos gewöhnt haben würde (denn welchen Jammer macht die Gewohnheit nicht erträglich?) wenn ihm nicht immer andere Pfründler, welche ihn in jene Privathäuser, wo er Almosen abzuholen hatte, geleitet, mehr als die Hälfte dieser kärglichen Spende abgenommen hätten. Die völlige Überzeugung, nur zwischen dieser theuren Hülfsleistung und gänzlicher Hülfslosigkeit wählen zu können, verkümmerte ihm sein ohnehin mühseliges Leben noch mehr, und man kann sich daher die freudenvolle Ueberraschung denken, als ihm eines Tages, da er eben völlig muthlos im Hofe des Spitals saß, ein Fleischhauerknecht, der im Hause öfters zu thun hatte, mit der herzlichen Theilnahme an seinem Leiden einen Hund mit dem Bedeuten schenkte, daß er doch versuchen solle, ob er ihn nicht etwas zu seinem Führer abrichten, und sich auf solche Art der lästigen und kostspieligen Geleitsmänner auf immer entledigen könnte. - Wodurch dieser menschenfreundliche Tröster aber eigentlich auf diesen glücklichen Einfall ge-kommen war, läßt sich nicht bestimmen. Vielleicht? weil die Fleischer sich über-haupt viel mit der Belehrung von Hunden abgeben? vielleicht hatte er auch bei-läufig etwas von dem Quince-vingt gehört? welche fast durchaus von wohlabge-richteten Hunden in dem weitläufigen Paris geleitet werden *); - daher auch die Franzosen, welche Wien besetzt hielten, jedesmal in ein lautes Freudengeschrei ausbrachen, wenn sie unsern Blinden zum ersten mal erblickten, und ihn bald, indem er alle Montage in der Alsterkasserne sein Brot faßt, so lieb gewannen, daß sie ihm recht landsmännisch schon von weitem zuriefen: ah voilá le Parisien!

 

*) Anmerkung. König Ludwig der Heilige hat diese vortreffliche Anstalt für drei-hundert blinde Edelleute, die er aus dem gelobten Lande mit zurückbrachte, im Jahre 1254 in Paris errichtet, um sie menschenfreundlich zu versorgen, weil ih-nen die Garazenen die Augen ausgestochen hätten.

 

Die Hoffnung auf einen bessern Lebensgenuß, und die zu einer solchen Unter-nehmung erforderlichen Beschäftigung, welche dem Blinden unentbehrlich ist, wenn er nicht seines Daseins bald müde werden soll, verscheuchte jetzt allen Kummer, und mit Ungeduld harrte er des Augenblickes, im dem er den Unter-richt mit seinem künftigen Führer wirklich anfangen konnte, den er auf seine ei-gene Art einleitete. Um vor allen andern den Hund nicht zu verlieren, und schnell an sich zu ge-wöhnen, band er ihn an eine Schnur, die ihn zu seinem unzertrennlichen Ge-fährten machte, und durch eine reichliche und gute Nahrung, durch Liebkosungen aller Art, suchte er ihn sich ganz anzueignen. - So gelang es ihm denn auch bald, die Liebe, Anhänglichkeit und Treue dieses Thieres in einem solchen Grade zu gewinnen, daß es auch losgebunden nicht mehr von seiner Seite wich, wenn er mit Hülfe seines Stockes in den ihm schon sehr wohlbekannten Siechenhause herumwanderte. - Doch nicht nebenher, sondern gerade voraus mußte der kleine Gefährte gehen, wenn er des Blinden Führer werden sollte, aber dazu brachte er ihn nur sehr schwer, theils durch Schmeicheleien, theils durch Drohungen, indem er ihn mit seinem Stocke in einer bestimmten Richtung vor sich langsam hertrieb.

 

Daß der Hund oft unrecht verstand, oft schnell zur Seite ausbog, bald zu lang-sam, bald zu geschwind ging, kann man sich leicht vorstellen, und eben so leicht die unbegränzte Geduld, und unbeschreibliche Mühe denken, mit der sich dieser Mann nach und nach seinem Gefährten verständlich machte. Endlich kam er auch damit zu recht, und weniger schwer hielt es, den Hund augenblicklich vor sich zum Stillestehen zu bringen, denn dieses lernte er ihm bald durch ein schnelles aber immer leiser werdendes Anziehen der Schnur. Wollte er dann wieder weiter gehen, so ließ er die Schnur wieder völlig los, oder gab mit der Hand, mit dem Stocke, oder auch mit einem Worte, dessen Bedeutung der kleine Führer bald abmerkte, ein Zeichen.

 

Allerdings war jetzt schon viel ge-wonnen,aber wie viel war auch noch zu thun, wenn der Endzweck dieses Unter-richtes völlig erreicht werden sollte; denn jetzt ging der Hund zwar schon lang-sam gerade voraus, er mußte aber erst die Wege kennen lernen, die er seinen Herrn zu führen hatte, und diese gingen dann freilich nicht immer gerade aus. Um diese schwere Aufgabe zu lösen, suchte der Blinde zuerst seinen Hund an die ihm selbst schon sehr gut bekannte Gehbahn im Hofe des Hauses, die sei-nerseits vom Rasen begrenzt war, zu gewöhnen, doch so, daß er sich immer genau an dem Rande des Rasens hinhielt, woher es denn auch kam, daß ihn sein Führer nachher immer auf den Strassen der Stadt und der Vorstädte sorg-sam an den Häusern hingeleite, und niemals in der Mitte der Gasse lief, auch am Glacis den Gehsteig niemals verfehlte.

 

Wie natürlich that auch bei diesem Kapitel des Unterrichtes der Stock das Seinige, mit dem nicht nur die Grenze des Rasens aufgesucht, sondern auch der Gang dem Hunde vorgezeichnet werden mußte, indem der Blinde nur sehr langsam und vorwärts gebeugt, um seinen künftigen Führer mit der Hand sogleich zurecht weisen zu können, an den Rasen hinschlich, wobei er die Schnur immer kurz gefaßt und straff angezogen hielt, damit er jede fehlerhafte Ausbeugung des Hundes sogleich gewahr wurde.

 

Durch den rastlosen Eifer, mit welchem unser Blinder diesen seinen Unterricht fortsetzte, kam er denn endlich so weit, daß ihn der Hund mit voller Bestimmtheit auf der Gehbahne des Hofraumes allenthalben herumführte, ohne auch nur ein einziges male des Rasen zu betreten; und nun schritt er zu einer neuen Aufgabe für seinen Lehrling, indem er bald an dieser bald an jener ihm bekannten Thüre des Hauses stehen blieb, und nicht nur schnell das Führband anzog, sondern auch gehen die Thüre hinzog, durch die er zu gehen gedachte, was der Hund auch sehr bald ganz deutlich begriff. Wollte er nun inner der Thüre weiter rechts oder links fort, so machte er seinen Führer ebenfalls durch das Links- oder Rechtsziehen der Schnur aufmerksam, und kam er in eine Halle des Hauses, so ließ er ihn langsam seines Weges gerade zu, jedoch nahe an der wand fortgehen, bis er wieder an eine Thüre kam, wo er das beschriebene Manöver wiederholte, wodurch sich der Hund sehr bald daran gewöhnte, vor jeder Thüre stehen zu bleiben, um seinen Herrn aufmerksam zu machen. Dieser durfte ihm dann nur ein Zeichen zum Fortschreiten geben, wenn er durch dieser Thüre ge-rade nicht hineingehen wollte, so ging er auch wieder seinen Weg schnurstraks vorwärts; zog er die Schnur hingegen nur äußerst leise an die Thüre hin, vor welcher der Hund stehen geblieben war, so führte er ihn auch ohne weiters hin-ein.

 

Kam der Blinde an die Treppe, so zog er das Band sehr straff an, und blieb lange stehen, bis er endlich seinem Führer das bekannte Zeichen zum Vorwärts gehen gab; dieser stieg nun langsam hinan, und lernte es bald auf jeder Abtheilung der Treppe, welche der Blinde schon aus der Zahl der Stufen voraus kannte, wieder stehen zu bleiben. Nicht völlig zwei Monate waren verflossen, als sich unser Blinder im Versorgungshause schon allenthalben auf seinen sorgsamen Führer so vollkommen verlassen konnte, dass er nun gar nicht mehr den Stock nöthig hatte, der bisher sein einziger Führer war, worüber man sich um so mehr wundern muß, weil dieser Hund gar nicht zur Klasse der Gelehrigen gehörte, sondern ein kleiner Spitz war, die gewöhnlich nur sehr schwer abzurichten sind.

 

Mit jedem Tage wuchs nun die Liebe und das Zutrauen des Unglücklichen, zu diesem uneigennützigen Gefährten und Führer, und nur zu früh wagte sich der Blinde mit ihm auch außer das Haus auf die offene Straße; denn die ersten äu-ßerst glücklich abgelaufenen Versuche machten ihn so dreist, daß er schon nach einigen Tagen auf den tollen Einfall gerieth, von dem Versorgungshause in der Währingergasse bis auf die Laimgrube bloß in Begleitung seines Hundes zu seiner alten Lehrfrau zu gehen, wo ihn Dankbarkeit hinzog. - Obwohl er nun als ein Eingeborner die Stadt und die Vorstädte auf das genaueste kannte, obwohl er auf diesem gewagten Wege seine ganze Aufmerksamkeit, und besonders sein treffliches Gehör unglaublich anstrengte, obwohl er mit dem Stocke vor und nebenher immer fleißig sondierte, und sich beständig an den Häusern hinhielt, so kam ihm doch diese erste Wanderung sehr teuer zu stehen, denn der Hund, des neuen Weges ganz unkundig, verführte ihn oft, und zwar so schnell, besonders am Glacis, daß er ehe er sichs versah, hier und da in einen Graben fiel, zumal, wenn er über einen kleinen nicht mit Geländern versehenen Steg gehen mußte, wo sein Führer die Reihe immer zu kurz nahm. Die kräftige Zurechtweisung mit dem Stocke, die dem unverständigen Geleiter in solchen Fällen freilich immer echt reichlich zu Theil wurde, konnte wie natürlich für diesen Augenblick noch nichts nützen, sondern mußte erst in der Folge fruchtbringend werden, bis nämlich der Hund den Zusammenhang der Schläge mit seiner fehlerhaften Lei-tung allmählich begriff, daher denn auch der arme Blinde schon wieder in den nächsten Graben fiel.

 

Wollte sich auch hier und da einer der Vorübergehenden des übel geleiteten Blinden annehmen, und ihn an Ort und Stelle bringen, so gab er es durchaus nicht zu, in der ersten Überzeugung, daß es ihm denn doch noch gelingen würde und müsse, seinen Hund zum sichern Führer auszubilden. - Ganz blutrünstig kam er endlich bei seiner menschenfreundlichen Lehrfrau an, die nicht wenig über seinen Anblick in Schrecken und Angst gerieth, ihn auch nicht mehr der Leitung seines Hundes allein auf dem Rückwege überlassen wollte, sondern einen ihrer Dienstbothen, ohne daß es der Blinde damals selbst wußte, nachschickte, um ihn genau zu beobachten und im Nothfalle zu helfen.

Jetzt wurde der Unterricht des Hundes freilich mit größerer Vorsicht und Behut-samkeit betrieben, nicht so bald wagte der Blinde wieder eine so weite und unsichere Reise, und der glückliche Erfolg lohnte ihn reichlich für seinen ausharrenden Fleiß; denn kaum war ein Jahr verflossen, als er schon bloß mit Hülfe seines getreuen Hundes nicht nur nach der Stadt, sondern auch nach allen, selbst den entferntesten Vorstädten vollkommen sicher gehen konnte, indem er den Spitz auf die schon beschriebene Art durch das Anziehen, Nachlassen, und die bestimmte Direktion der Schnur, und durch die oft wiederholte Leitung mit der Hand und mit dem Stocke endlich sogar dahin gebracht hatte, daß er bei jedem völlig geschlossenen Schranken, bei jedem Hügel, bei jedem kleinen Graben, ja sogar bei jeder Gasse, oder wenn ihm ein Wagen oder ein Reiter in die Queere kamen, stille stehen blieb, um seinen Herrn aufmerksam zu machen, damit er entweder mit dem Stocke vor sich hin den Weg genau untersuchen, oder sich gegen die Pferde sichern konnte; und volle dreißig Jahre sind es nun, daß er sich auf seinen weitläufigen Wanderungen in Wien keinen anderen Führer, als wohlabgerichteten Hunden anvertraut.

 

Da jedoch der Hund es nicht wissen kann, welchen Weg sein Herr eigentlich nehmen will, wenn er nicht etwa seine schon gewohnten bestimmten Gänge macht, die seinem Führer sehr genau bekannt sind, so muß er ihn nothwendig jedesmal erst mittelst der Schnur aufmerksam machen, und so zu sagen in einer Hinsicht wieder selbst leiten, wenn er einen ungewöhlichen Weg einschlagen will, wozu denn freilich eine sehr genaue Bekanntschaft des Blinden mit allen Gegenden, Straßen, Plätzen der Stadt und der Vorstädte, eine durch nichts stöhrbare Aufmerksamkeit, eine sehr lebhafte immer rege Imagination, ein äu-ßerst feines Gemeingefühl, ein unübertreffliches Gehör, und endlich wohl auch eine bestimmte deutliche Empfindung aller Abstuffungen des Lichtes erforderlich ist, womit sich denn auch dieser arme Mann von der äußersten Nothwendigkeit gedrungen, nach und nach bis auf einen unglaublichen Grad ausgerüstet hat, was sich von diesem wirklich genialisch bezeichneten Kopfe, den meine Leser in dem beigefügten von mir getreu nach der Natur gezeichnetem Bilde finden werden, wohl erwarten ließ.

 

Wird dieser Mann nun in ein Haus beschieden, wo er noch niemals war, so muß er freilich, wenn er sich einmal in der Gasse befindet, nach dem Hause fragen, und sich dahin weisen lassen; jedoch von dem Hausthore bis zur Treppe, wenn sie auch noch so versteckt ist, leitet ihn der Hund sicher, wenn anders nur eine Treppe im Hause ist, sind aber deren mehrere, so muß der Blinde abermals nach der rechten fragen. Da der Hund auf jeder Abtheilung der Treppe seinen Herrn aufmerksam zu machen gewohnt ist, und dieser es schon weiß, wie viel Treppen hoch sein neuer Gönner wohnt, so findet er sich hier leicht zurecht. - Kömmt der Hund am Glacis zu einem halboffenen Schranken, so läuft er nie-mals unter dem Schranken weg, wie alle anderen Hunde, sondern er führt sei-nen Herrn zwischen der Öffnung des Schrankens sorgsam durch, ohne die Schnur an dem Kreuz zu verwickeln.

 

Kann man sich denn wundern? wenn sich dieser Blinde auf solche Art bald an seinen wohlbelehrten Führer so sehr gewöhnte, daß er auch späterhin, als sich ihm die Gelegenheit darbot, eine Wittib zu heirathen, durch die er aus dem Siechenhause in eine theilnehmendere Verpflegung kam, sogar die Leitung seines Weibes in ihren arbeitslosen Stunden ausschlug; woran er auch sehr wohl that, weil der Hund gewiß bald sehr viel von dem mühsam Erlernten vergessen haben würde. - Zwei gesunde Kinder, eine Tochter die jetzt neunzehn Jahre zählt, und ihr Brod schon selbst mit der Verfertigung der schwarzen Pointes d'Espagne erwirbt, und ein Sohn der nun in seinem siebzehnten Jahre, bei unserm verdienstvollen Typographen Strauß, als Buchdruckergeselle im Golde steht, sind die Frucht dieser Ehe, und von ihnen hofft der arme Mann, wenn es ihm seine Kräfte einst versagen, die milden Gaben von seinen menschenfreundlichen Gönnern selbst einzuholen, Trost, Pflege, und Unterstützung; der Himmel gebe! daß er sich in seiner Erwartung ja nie getäuscht finde!

 

Beinahe schon sechzehn Jahre hatte unser Blinde seinen getreuen Spitz als den einzigen Führer, auf dem er sich verlassen konnte, als dieser einmal plötzlich ohne aller äußeren Veranlassung am Kärtnerthore zusammen fiel, und gleich darauf in den Armen seines dankbaren Herrn starb. - So groß, so empfindlich auch sein Schmerz über den Verlust dieses getreuen Gefährten war, so fand er doch die größte Beruhigung in der jetzt so fruchtbar gewordenen Vorsicht, mit welcher er schon seit einigen Jahren darauf bedacht war, einen anderen Hund nebenher zu seinem künftigen Führer auszubilden, damit er in dem Falle, als jener erstere stürbe, oder wenigstens völlig erblindete, indem er schon an einem Auge staarblind geworden war, seine gewohnte Leitung nicht entbehren müßte. - Es ist also, Dank sei der Menschlichkeit! nicht wahr, daß sein erster Führer von einem heimtückischen Hundsschläger zu seinen Füßen erschlagen worden ist, wie man damals allgemein erzählte.

 

Die Ausbildung seines zweiten Geleiters fiel ihm aus doppeltem Grunde um so leichter, als die des erstern, den er benutzte jetzt schon sorgfältig seine Erfah-rung, und schlug bei seinem Unterrichte den von ihr bezeichneten, und wie na-türlich viel kürzeren Weg ein; - und zweitens wählte er wohlbedacht einen Pudel, welcher schon an und für sich weit leichter zu belehren ist, und viel mehr natürliche unerkünstelte Anhänglichkeit an den Menschen hat, als jeder andere Hund. - Dieser Hund war auch so vortreflich abgerichtet, dass er sich durch dreizehn Jahre noch weit sorgenloser auf ihn verließ, als auf seinen ersten Füh-rer, dem er durch ein Jahr im Strengsten Sinne adjungirt war; und wirklich ver-diente dieses zwar sehr häßliche aber ungemein gutmütige Thier die Größte Aufmerksamkeit und Bewunderung des Philosophen in jeder Hinsicht, vorzüglich aber wegen seiner beinahme unerschütterlichen Sorgfalt, mit welcher er jede Bewegung seines Herrn belauschte, und ihn (so zu sagen) gar nicht aus den Augen ließ, und dennoch alles zugleich genau beobachtete, was auf seinen Herrn von Außen einen Bezug haben könnte. So bemerkte er es unter anderem schon von Weitem, wenn sich jemand auf der Straße dem Blinden nähern woll-te, und zu gleicher Zeit in die Tasche griff, um ihm ein Almosen zu reichen,; denn augenblicklich stand er Stille, und suchte seinem Herrn eben dadurch aufmerksam auf den Näherkommenden zu machen.

 

So sah ich unter anderem einmal, daß dieser Blinde bei der Alsterkasserne über den Fahrweg nach der Allee gehen wollte, als plötzlich ein Reiter im vollem Carriere queer über den Weg sprengte. Der Hund konnte nun nicht mehr geschwind genug vorwärts mit seinem Herrn, er sah die Gefahr in der derselbe schwebte, und warf sich mit ei-nem heulenden, dem Hunde sonst nicht gewöhnlichen, mehr der Stimme eines heftig erschreckenden Kindes ähnlichem Geschrei, zwischen die Füße des Blinden, um ihn am Forwärtsschreiten zu hindern, obwohl der Reiter noch meh-rere Schritte entfernt war.

 

Oft habe ich diesen seinen zweiten Führer stunden-lang mit der größten Genauigkeit beobachtet, und jedesmal wurde ich zur neuen Bewunderung hingerissen, indem seine Sorgfalt für den Herrn so weit ging, daß er meistens selbst seine Hundesnatur verläugnete; - denn nur äußerst selten vergaß er auf einen Augenblick seine Dienstpflicht über einer interessanten Hundesbekanntschaft, oder über einen sehr netten wohlriechenden Knochen; aber die leiseste Erinnerung mit dem Stocke, ohne eben geschlagen zu werden, oft schon ein leiser Zug an der Schnur war hinlänglich, ihn auch das vergessen zu machen, und zu seiner Pflicht zurückzuweisen. Am ersten Februar 1809 hatte unser Blinde das Unglück auch diesen vortreflichen und getreuen Führer durch Krankheit zu verlieren; er hat sich aber seit dieser Zeit wieder einen neuen Hund ziemlich gut zu seinem Geleiter abge-richtet; - ein offenbarer Beweis, wie sehr dieser Blinde seine Unterrichtsmethode verbessert, und ins Reine gebracht haben muß.

 

1819

Johann Wilhelm Klein, Begründer des Wiener Blinden-Erziehungs-Instituts, erwähnte in seinem "Lehrbuch zum Unterricht der Blinden" den Führhund. Einige Zitate aus diesem Buch belegen das ganze. "In einer Anstalt für Blinde können auch Hunde abgerichtet werden, um einzelnen Blinden als Führer zu dienen. Hierzu sind die Pudel und die Schäferhunde die tauglichsten. Von dem Halsbande des Hundes geht entweder ein Band oder ein Stab an die linke Hand des Blinden, welcher in der Rechten einen Stock hat. Das Band muss durch einen los um den Leib des Hundes gehenden Riemen laufen, damit eine Seitenbewegung des Tieres dem Blinden in der Hand mehr fühlbar sei. Bei einem Stab ist diese nicht nötig. Der Stab hängt, um ihn leicht losmachen zu können, mit einem Knebel in dem Halsbande des Hundes, und hat auch oben eine Schleife, damit er der Hand des Blinden nicht entfallen kann. Diese Leitung durch einen Stab hat den Vorteil, dass der Blinde im Augenblick merkt, wenn der Hund stille steht, welches der Fall nicht ist, wenn derselbe durch ein Band geleitet wird. Das Abrichten des Hundes muss, wenigstens anfänglich, durch einen Sehenden geschehen. Man führt ihn mehrere Male denselben Weg und übt ihn besonders sorgfältig an solchen Stellen, wo er durch Wendungen, durch Langsam gehen, durch Stillstehen oder auch andere Art den Blinden auf Krümmungen des Weges, auf ein vorliegendes Hindernis oder sonst auf etwas aufmerksam machen soll. Dann nimmt der Blinde den Hund selbst an die Hand und geht mit ihm anfänglich auf solchen Wegen, welche ihm vorher genau bekannt sind, um sich an die Bewegungen und Kennzeichen des Tieres zu gewöhnen. Es versteht sich übrigens von selbst, dass von jetzt an der Hund nur durch den Blinden, dem er zum Führer bestimmt ist, gefüttert und behandelt werden darf, um sich ganz an ihn zu gewöhnen, und ihm die diesem Tiere eigentümliche treue Anhänglichkeit zu beweisen."

 

Leider gibt es keine Berichte darüber, ob tatsächlich Hunde auf diese Art und Weise in der Wiener Blindenanstalt abgerichtet wurden. Da sich im Buch auch keinerlei praktische Hinweise finden, kann jedoch daraus geschlossen werden, dass er den Gedanken der Führhundabrichtung von Reisinger übernommen hat, den er kannte. Alle diese Versuche waren zeitlich und örtlich weit voneinander entfernt und basierten im großen und ganzen auf dem persönlichen Geschick einzelner Blinder, so daß man hier noch nicht von einer gezielten Ausbildung des Hundes zum Blindenführhund sprechen kann. Der Nachteil bestand vor allem darin, dass man bei der Abrichtung des Hundes im allgemeinen nicht auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen konnte, die vorher von anderen Blinden gemacht worden waren.

 

1847

In der Schweiz richtete Jakob Birrer ebenfalls einen Spitz zum Führhund ab, der ihm 5 Jahre lang als treuer Begleiter diente. Er berichtete darüber in seinem Buch "Erinnerungen, merkwürdige Lebensfahrten und besondere Ansichten des Jakob Birrer von Luthern".

Auszug aus: Erinnerungen, merkwürdige Lebensfahrten und besondere Ansich-ten des Jakob Birrer von Luthern

 

Zweite verbesserte und vermehrte Auflage

 

Zürich 1844

Art und Weise, die Hunde abzurichten, welche dem Blinden zum Führer dienen sollen

 

Unter allen Hausthieren, welche dem Menschen zum Nutze dienen, leistet ihm schwerlich ein Thier so viele Dienste, als der Hund; auch ist ihm seines so zugethan, als dieser treue Hüter und Gefährte. Er zeichnet sich ebenso durch Thätigkeit und Verstand, als durch Liebe und Gehorsam aus, und hat einen so gutmüthigen Charakter, daß er sich nur der empfangenen Wohlthaten und nicht der Schläge zu erinnern scheint. Was ihm sein Herr aufträgt, das führt er uner-müdlich aus; was man ihm anvertraut, bewacht er mit Sorgfalt; geräth man in Gefahr, so steht er uns rettend bei; ja, er rächt seinen Herrn sogar an dem Be-leidiger und hilft diesen der verdienten Strafe überliefern.

Besonders den Blinden erweist dieses Thier die ausgezeichneten Dienste; es taugt vorzüglich für diejenigen, die des Augenlichtes beraubt sind. Man kann sagen, daß der Hund, welcher diesem Unglücklichen zum Führer dient, hienie-den einen Auftrag erfüllt, der ihn an die Spitze seines Geschlechtes stellt. Dazu soll er aber mit besonderer Sorgfalt, und zwar von dem Blinden selbst, abge-richtet werden.

 

Ich fühle mich daher verpflichtet, meinen blinden Mitkollegen, die sich allenfalls von Hunden leiten lassen wollen, eine Anleitung zur Dressur derselben zu ertheilen, welche hauptsächlich auf meinen eigenen praktischen Erfahrungen beruht. Schon vor circa 4-5 Jahren hörte ich, daß in Paris mancher Blinde einen Pudel zum Führer habe, was mir aber nicht glaubwürdig schien. Bei diesem An-laß sprach ich mich überhaupt aus, keinen Hund zum Führer haben zu wollen; doch kam ich vor zwei Jahren auf den Einfall, die Probe selbst mit einem Spitzerhund vorzunehmen.

 

Die Dressur nahm ich auf folgende Weise vor:

  • Machte ich es mir zur Regel, daß ich den Hund mit angezogenem Stricke vo-rangehen ließ; folgte er dieser Leitung beständig, so begab ich mich mit ihm auf einen Platz, der mir wohl bekannt war, um zu erfahren, ob er seinem Wege treu bleibe.

 

  • War ich dessen gewiß, so betrat ich mit ihm einen Baumgarten und spazierte hin und her. Zog der Hund mich so nahe an einem Baume vorbei, daß ich hätte anstoßen können, so begab ich mich auf die entgegengesetzte Seite, zog die Schnur um den Baumstamm herum, bis er einige Schmerzen empfand, um ihm dadurch eine Scheu vor den Bäumen, Wehrsteinen u. dgl. beizubringen.

 

  • Als ich sicher war, daß er durch einen Baumgarten gehen konnte, ohne an-zustoßen, so begab ich mich in eine Allee, wo sich Pallisaden oder Trüllen be-fanden, und nahm die gleiche Übung mit meinem Hunde vor, die ich schon oben angedeutet. Diese Aufgabe ist jedoch eine der Schwersten; denn man muß genau darauf achten, daß der Hund, statt unten durchzugehen, dazwischen durchläuft. Nur durch grosse Geduld wird der Zweck erreicht; und hat er seine Lektion verstanden, so darf ihn der Lehrmeister wohl etwas zu Gute thun, damit er darin eine Wohlthat erkennt. Diese Dressur wiederhole man einige male, und wenn er dieselbe nicht verstehen will, so ziehe man ihn etwas an der Pallisade auf und züchtige ihn, bis er sich dem Willen seines Herrn unterzieht, jedoch spare man das Prügeln bis zur eigentlichen Nothwendigkeit. Auf gleiche Weise verfahre man ungefähr in einer geräumigen Hausflur.

 

  • Gewöhnlich haben die Hunde Freude am Ausgehen, und können oft nicht warten, bis die Thür aufgeht, durch welche sie dann in tausend Sprüngen ins Freie hinaustreiben; weil aber für einen Blinden dadurch nicht selten Verlegen-heiten entstehen können, so nahm ich mit meinem Hund folgende Dressur vor: Ich stellte eine Bank in die Hausflur, jedoch so, daß auf der einen Seite eine kleine Öffnung zum Durchgehen übrig blieb, dann machte ich ihn schon im Zimmer am Stricke fest, damit er nicht schnell durch die Thür entwischen könne. Unbedachtsam rannte er dann unter die Bank, welche ich umwarf, damit er meinen sollte, sein Herr sei selbst zu Boden gefallen. Durch das Rumpeln der-selben gerieth das Thier in Schrecken und fand in kurzer Zeit die Öffnung, durch welche es mich ins Freie hinausführen sollte. - Diese Dressur bedarf jedoch ei-ner häufigen Wiederholung! - Auf gleiche Weise kann der Hund auf Deichsel-stangen von Kutschen, Wagen etc. aufmerksam gemacht werden; doch muß der Blinde genau wissen, wo diese Stangen, die gewöhnlich Brusthöhe haben, sich vorfinden. Will der Hund, was sehr schwierig ist, auf die Höhe dieser Ge-genstände nicht achten, so ziehe man ihm am Stricke auf, und strafe ihn, bis er einen Begriff von der Sache hat.

 

  • Ich führte ihn dann auf eine sichere Straße, wo sich weder Bäche, Brücken und Abhänge, noch andere gefährliche Stellen befanden. War ein Fuhrwerk im Anzug, so zog ich ihn ungefähr 20 bis 30 Schritte vorher an dem Stricke, zum Zeichen, daß er in den linken oder rechten Fußweg ausweichen müsse; und er begreift es bald, daß er in solchen Fällen immer den sicherern Weg auszuwählen habe. Hat er sich an dieses Zeichen gewöhnt, so darf man von diesem be-kannten Wege auf einen unbekannten übergehen und da die Dressur fortsetzen. Wenn ich z.B. eine halbe Stunde weit ging und erfuhr, daß sich auf der Hälfte des Weges zwei Straßen trennten, so mußte ich meinem Hunde das Zeichen natürlich schon frühe genug geben, damit er nicht den unrichtigen Weg betrete. Geht er diesen Weg unbedachtsam vorüber, so kehre man zurück und wiederhole das angedeutete Zeichen, bis er es versteht; auf gleiche Weise ver-fahre man in den Städten bei Seitengassen und Eckhäusern.

 

  • Gehe ich in ein Haus hinein, so läßt der Hund vor der Treppe den Strick etwas nach und steht still, bis er merkt, daß ich dieselbe, vermittelt meines Stockes, erreicht habe; ebenso bei'm Ausgang aus demselben; auch gewöhnte ich ihn daran, daß er gerade auf das Thürschloß selbst zugeht und nicht hinter die Thüre steht; auf gleiche Weise wanderte ich dann auf schmalen Stegen oder Brücken über Bäche und Flüsse, wobei er ebenfalls durch Nachlassen des Strickes mir das Zeichen gab, damit ich mit meinem Stocke die sichere Stelle aufsuchen könne, worauf der Hund so lange ganz langsam vor mir her ging, bis ich mich wieder auf sicherem Wege befand.

 

  • Um noch ein Wort über die Pudel zu sagen, so gebe ich zu, daß dieselben die beste Race zur Dressur sind, da sie sich nebenbei zu anderen belustigenden Künsten abrichten lassen; allein sie bedürfen einer eigenen Erziehung. Während ein Spitzerhund, selbst auf großen Wanderungen, ausdauert, so läßt sich der Pudel nur in Städten mit einigem Nutzen, und auch da oft nur als Schooßhündchen, gebrauchen, und ist zudem, besonders im Sommer, träge. Er besitzt große Empfindlichkeit und leidet keine Züchtigung. Nicht nur aber würde ich den Spitzer dem Pudel vorziehen, weil er ausdauernder als dieser, sondern weil er auch leichter zu dressiren ist; einzig muß man bei dieser Race darauf achten, daß das Thier zehn, höchstens sechszehn Monate alt und , um großen Verlegenheiten auszuweichen, von männlicher Art sei.

 

Keiner glaube jedoch, er mag sich Hunde von dieser oder jener Race halten, dieselben nur durch Prügel abrichten zu wollen; sofern jeder Zuchtmeister ma-che es sich zur Pflicht, sein Thier, wenn es ihn durch seine Dienstleistungen be-friedigt hat, auch durch Liebkosungen zu seinem treuen Anhänger zu machen, und ihm dann und wann einige gute Lebensmittel zukommen zu lassen; denn nur so erwacht in demselben Wille und Folgsamkeit gegen seinem Gebieter, und es wird ihm bis zum Tode mit zärtlicher Anhänglichkeit dienen.

 

Ja, du mein Führer durch das Leben,

Du bleibest unzertrennlich mir;

Du kannst mir Muth und Tröstung geben,

Du bist des Lebens edle Zier,

Wer solch' ein Wesen wollte hassen,

Das oftmals selbst den Mensch beschämt,

Den sollte man wohl fühlen lassen,

Wie eigne Qual und Schmach ergrämt.

Ein edles Thier verdienet Ruhm

Und menschliche Bewunderung.

 

1892

Gründung des "Verein für Sainitästshunde" durch den Tiermaler Jean Bungartz

 

1914

Die Idee zur Ausbildung von Blindenführhunden entstand 1914 durch dem Ausbruch des I. Weltkrieges. Hier griff der Wiener Arzt Leopold Senfelder den Gedanken des Blindenführhundes neu auf, wobei er vom “Österreichischen Polizei-, Kriegs- und Sanitätshundeverein” unterstützt wurde. Aber leider fanden seine Vorschläge, dass man den im Krieg erblindeten Männern einen Führhund zur Seite stellen sollte, in Österreich kein gehör.

 

1916

Im August 1916, während des Ersten Weltkrieges, führten die steigenden Kriegsopfer zur Entstehung des Dressurgedankens. Geheimrat Dr. Gerhard Stalling, dem Vorsit-zenden des “Deutschen Vereins für Sanitätshunde” blieb es vorbehalten, diese Ideen in die Tat umzusetzen. Im August 1916 gründete er auf Bitte des Großherzogs Fried-rich August von Oldenburg und mit Unterstützung des Kriegsministeriums die erste Blindenführhundschule der Welt in Oldenburg. Bereits im Oktober 1916 wurde der erste ausgebildete Hund an den Kriegsblinden Paul Feyen übergeben. Triebkraft war die staatliche Fürsorgepflicht für die im I. Weltkrieg erblindeten Soldaten, ohne die es wahrscheinlich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht zu dieser Form der Blindenführhundausbildung gekommen wäre.

Von wie viel Skepsis die Anfänge der Blindenführhundausbildung begleitet waren, zeigen folgende Bemerkungen eines zivilblinden Zeitgenossen: „In der Großstadt … ist es schon fraglich, ob der Hund den Blinden sicher über belebte Plätze und Verkehrsadern bringen wird. … Vor allem ist zu fürchten, dass die bei Späterblindeten oft stark vorhandene Neigung zur Unselbständigkeit durch den Führhund noch gefördert wird.“

 

Die Ausbildungskosten in Höhe von 500 RM wurden aus einem Spendenfond ge-deckt. Die kostenlose Abgabe erfolge zunächst nur an Kriegsblinde. Die ersten Blind-enführhunde waren ursprünglich als Sanitätshunde ausgebildet worden, deren Aufgabe darin bestanden hatte, verschüttete Soldaten aufzuspüren. Der Einführungslehrgang dauerte 4-6 Wochen, in denen die Blinden mit ihren Hunden vertraut gemacht wurden. Die Teilnehmerzahl schwankte von 6 in der Meldestelle Hannover bis zu 18 in der Abrichtestelle Freiburg. Bedingt durch die hohe Teilnehmerzahl hatten die Blinden in Freiburg während der 3-wöchigen Ausbildung nur 12 Trainingsstunden mit ihren Hunden. In Hannover hingegen wurde täglich am Vormittag 3-4 Stunden geübt und am Nachmittag Unterordnungsübungen und Spaziergänge angesetzt. Anschliessend erfolgte die Einweisung des Kriegsblinden an seinem Heimatort.

 

X(o. Angabe des Autors, Der Kriegsblindenhund, in: Die Blindenwelt 4(1916), S. 183) Bis 1922 wurden ausschließlich Kriegsblinde mit einem Führhund versorgt. (vgl. Rehmann 2000, S. 4) Bereits 1930 vertrauten sich von 2160 Zivilblinden immerhin 13% einem Führhund an. 1935 waren in Deutschland 3000 Blindenführhunde im Einsatz. (vgl. Riederle 1991, S. 120)

 

1918

erfolgreiche Umsetzung am 27. April durch das Kriegsministerium.

 

1919

wurden 539 Kriegsblinde mit Führhunden versorgt

 

1920

waren 867 Hunde im Einsatz. Die Oldenburger Führhundschule unterhielt in den nächsten Jahren neun Filialbetriebe (Bonn, Breslau, Dresden, Essen, Freiburg, Ham-burg, Magdeburg, Münster und Hannover) und bildete jährlich bis zu 600 Führhunde aus. Mit dem Anstieg der Kriegsblinden wuchs auch die Zahl der an einem Hund interessierten Blinden. Dadurch wurde das geeignete Hundematerial immer knapper und die Schule nahm jeden angebotenen Hund zur Ausbildung an. Als Folge gab es zunehmend Klagen über schlecht arbeitende Führhunde, leider wurden diese Bemängelungen aber nicht bei der Ausbildung weiterer Hunde berücksichtigt. Am 12. Mai 1920 wurde in §5 Abs. 6 des Reichsversorgungsgesetzes der Anspruch des Kriegsblinden auf einen Führhund fixiert und die Anträge über das Hauptversorgungsamt an die zuständigen Ausbildungsstellen weitergeleitet. Nicht nur deutsche Kriegs- und Zivilblinde erhielten diese Hunde, sondern auch Blinde in England, Frankreich, Spanien, Italien, Amerika, Kanada und Russland wurden mit Führhunden versorgt.

 

1923

Die zweite Führhundschule der Welt ihre Tore öffnete, diesmal in Potsdam. Initiiert wurde die Gründung vom Reichsarbeitsministerium, der Aufbau wurde vom Verein für Deutsche Schäferhunde durchgeführt. Die in der Schule geleistete Arbeit war richtungsweisend und begründete den damaligen Ruf Deutschlands als Mekka der modernen Blindenführhundausbildung. Die Zwingeranlage bot Platz für etwas 100 Hund, wovon sich immer ca. 50 Tiere in der Ausbildung befanden. Die Ausbildung dauerte etwa 3-4 Monate, zum Übungsgelände gehörte ein Hindernisgarten, in dem konzentriert Hindernisse (Stufen, Löcher, grosse Steine, Brücken, Höhenhindernisse) aufgebaut worden waren. Nach diesem Training wurde in der Stadt geübt. Bevor der Hund dem Blinden übergeben wurde, ging der Trainer mit dem fertigen Führhund unter der Augenbinde durch die Stadt, um eventuelle Mängel feststellen und beseitigen zu können. Der Einführungslehrgang dauerte vier Wochen und in dieser Zeit blieben die Blinden mit ihren zugeteilten Hunden Tag und Nacht zusammen. Monatlich konnten maximal 12 Blinde mit Hunden beliefert werden. Die Bezahlung übernahm der Staat, so dass der Verein für Deutsche Schäferhunde seine Selbstkosten erstattet bekam.

 

Die Erfolgsquote bei der Ausbildung der Hunde war sehr hoch, weil die Schule die Erfahrungsberichte von Führhundhaltern systematisch auswertete und bei ihrer Arbeit die beginnende Motorisierung im Strassenverkehr berücksichtigte.

 

1926

Allerdings konnte sich das Oldenburger Unternehmen trotz der überzeugenden Erfolge finanziell nicht halten und mußte seinen Betrieb einstellen.

 

1927

Internationale Entwicklung

Die Erfolge der Potsdamer Schule wurden im In- und Ausland mit Interesse verfolgt und die Amerikanerin Harrison-Eustis, später Mitbegründerin der Schule "The Seeing Eye" in Morristown/New Jersey, arbeitete 1927 mehrere Monate unbezahlt mit, um die Methodik dieser Schule zu studieren.

 

1928

Eröffnete die Amerikanerin Dorothy Harrison-Eustis, die spätere Mit-Begründerin der ersten amerikanischen Blindenführhundschule “The seeing Eye”, in Morristown (New Jersey), in der Schweiz ein Institut, an dem geeignete Personen in der Führhundausbildung unterwiesen wurden, um dann ihrerseits wieder in ihren Heimatländern Schulen zu eröffnen.

 

1930

Der schweitzer Ausbilder Nikolai Liakhoff ging 1930 nach Endland, Ihr wohl bekanntester Schüler, Morris Frank, las im November 1927 einen Artikel von Eustis in der “Saturday Evening Post” und wandte sich mit der Bitte um Ausbildung eines Hundes an sie. Als Gegenleistung versprach er die Ausbildung der Hunde in Amerika durch öffentliche Auftritte vor dem Senat und der Presse zu unterstützen. So kam es, dass die deutsche Schäferhündin “Buddy” den Weg des Blindenführhundes in Amerika bereitete. (Buch: “Buddys Augen sahen für mich” / Film: “Wie ein Faustschlag”)

 

Bereits 2160 Zivilblinden immerhin 13% vertauen sich einem Führhund an.

 

1934

Die Organisation “The Guide Dogs for the Blind” wir ind Grosbritanien gegründet.

 

1935

In Deutschland sind 3000 Blindenführhunde im Einsatz.

 

1936

Waren die ersten Unternehmen hauptsächlich von der Berufserfahrung der Hunde-züchter gekennzeichnet, so bestimmten nun bald wissenschaftliche Methoden die Ausbildungspläne. Die fundamentalen Untersuchungen zu diesem Problem verdanken wir Jakob Baron von Uexkuell, der am damaligen “Institut für Umweltforschung” der Universität Hamburg tätig war.Er veröffentlichte zum ersten Mal eine wissenschaftliche Methode der Abrichtung von Blindenführhunden, die dann wenige Jahre später (1937/38) von seinem Schüler Emanuel G. Sarris verbessert und vervollkommnet werden konnte.

 

Sarris war es auch, der nach Ideen seines Lehrers den ersten Abrichtewagen konstruierte und bahnbrechende Versuche mit ihm durchführte. Uexel schreibt hierrüber: „SARRIS hat die Forderung aufgestellt, die Führhundausbildung auf eine ganz neue Basis zu stellen und an Stelle der Dressur die Erfahrung zu setzen. … Er (Sarris) will den Hund zu einem zwar im Interesse des Blinden handelnden aber durchaus selbständigen Wesen erziehen, das den Umbau seiner Welt sich selbst verdankt und nicht dem Stock des Dresseurs. Nur wenn er ohne fremden Zwang die neuen Hindernisse und Hemmnisse in seine Umwelt selbst geschaffen hat, wird er frei von jeder Abhängigkeit seinem blinden Herrn ebenso dienen wie seinem sehenden Lehr-meister.“

 

Der nach den Vorstellungen von Sarris konstruierte Abrichtewagen, (auch “künstlicher Mensch” genannt) entsprach in seinen Abmessungen dem Umriss eines Menschen und sollte dem Hund ohne Einwirkung des Trainers das Raumgefüges des Menschen näher bringen.

Im von Sarris und von Uexküll konstruierten so genannten „Uexküll-Ausbildungswagen“, auch „Phantom“ oder „künstlicher Mensch“ genannt, lernt der Hund durch eigene Erfahrung selbständig zu führen, seinen Erlebnisraum dem des Menschen anzupassen und Seiten-, Höhen- und Bodenhindernisse im nötigen Ab-stand zu umgehen.

 

1941

Bis 1941 hatte die Schule in Potsdam über 2500 Hunde abgegeben, von denen nur 6% aufgrund mangelnder Ausbildung zurückgenommen werden mussten.

 

1945

Nach dem II. Weltkrieg gab es aufgrund der politischen Lage zunächst keine Führhundausbildung in Deutschland. Der Schwerpunkt der Ausbildung un Versorgung verlagerte sich in die USA, wo sich große Schulen entwickelten.

 

1949

Neugründung von Blindenführhundschulen, diesmal vorwiegend auf privater Basis. Dazu gehörte auch die “Blindenführhundschule Oftersheim/Baden”, die bis Mitte der 80er Jahre sehr erfolgreich Blindenführhunde ausgebildet hat. Hier wurde die Potsdamer Idee eines “Hindernisgartens” wieder aufgegriffen. Bevor die Hunde in der Stadt trainiert wurden, hatten sie auf einem 3 ha grossen Gelände die Möglichkeit alle Hindernisse kennen zu lernen. Die Ausbilder trainierten die Hunde sofort im Handgeschirr, der von anderen Schulen propagierte Abrichtewagen kam nicht zum Einsatz. Ausserdem wurde sehr viel Wert auf die theoretische Unterweisung der zukünftigen Führhundhalter gelegt, die Einweisung erfolgte in kleinen Gruppen von max,. 4 Teilnehmern.

 

1952

Die Führhundschule Potsdam wird von DDR-Dienststellen entschädigungslos enteignet.

 

1981

War der Blindenführhund in Deutschland bereits in den 70-er Jahren als Rehabilitati-ons- Hilfsmittel eingestuft, ist er nach einer kurzen Unterbrechung seit 1981 als einzi-ges „lebendiges Hilfsmittel“ auf Rezept erhältlich. Seit 1993 wird der Blindenführhund im Hilfsmittelverzeichnis der deutschen Krankenkassen geführt. Die Richtlinien für das Training, die Schulung und die Nachbetreuung der Führhunde und Führhundgespanne sind durch die „Qualitätskriterien zur Auswahl, Ausbildung und Kostenübernahme für Blindenführhunde“, Bundesanzeiger v. 29. Juni 1993, geregelt.

 

Quellenangaben:

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Wikipedia.de

Chiens Guides d'Aveugles au Luxembourg

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband

Engel auf Pfoten

BFHS Martina Grün

Schaeferhund.ch

und viele weitere wo ich zum Teil nur bestehende Daten geprüft habe.